Hast du als Werkstudent Anspruch auf ein Zeugnis?
Ja, absolut! Jeder Arbeitnehmer hat nach § 630 BGB und § 109 GewO Anspruch auf ein Arbeitszeugnis – auch Werkstudenten. Und du solltest diesen Anspruch unbedingt nutzen, denn ein gutes Arbeitszeugnis ist Gold wert für deine Karriere.
Einfaches vs. qualifiziertes Zeugnis
Einfaches Zeugnis
Enthält nur:
- Art der Tätigkeit (Berufsbezeichnung)
- Dauer der Beschäftigung
Ein einfaches Zeugnis reicht für kurze Werkstudentenjobs (unter 6 Monate) oder wenn du kein qualifiziertes Zeugnis möchtest.
Qualifiziertes Zeugnis
Enthält zusätzlich:
- Leistungsbeurteilung: Wie gut hast du deine Aufgaben erledigt?
- Verhaltensbeurteilung: Wie war dein Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Kunden?
Du hast Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis – fordere es aktiv an!
Wann Zeugnis anfordern?
- Idealerweise: In der letzten Arbeitswoche oder am letzten Tag
- Spätestens: Innerhalb von 3 Jahren nach Vertragsende (Verjährungsfrist)
- Empfehlung: Nicht warten! Je länger du wartest, desto schwerer erinnert sich dein Vorgesetzter an deine Leistungen
Wie anfordern?
Am besten persönlich und per E-Mail – so hast du einen schriftlichen Nachweis:
"Betreff: Bitte um qualifiziertes Arbeitszeugnis
Liebe/r Herr/Frau [Name],
da mein Werkstudenten-Vertrag zum [Datum] endet, möchte ich Sie bitten, mir ein qualifiziertes Arbeitszeugnis auszustellen. Ich würde mich freuen, den Entwurf vorab einsehen zu können.
Vielen Dank und beste Grüße, [Dein Name]"
Die Zeugnissprache entschlüsseln
Leistungsbeurteilung
- "stets zur vollsten Zufriedenheit" = Note 1 (sehr gut)
- "stets zur vollen Zufriedenheit" = Note 2 (gut)
- "zur vollen Zufriedenheit" = Note 3 (befriedigend)
- "zur Zufriedenheit" = Note 4 (ausreichend)
- "hat sich bemüht" = Note 5 (mangelhaft)
Verhaltensbeurteilung
Achte auf die Reihenfolge: Vorgesetzte, Kollegen, Kunden. Wenn Vorgesetzte nicht zuerst genannt werden, ist das ein negatives Signal.
- Gut: "Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden war stets einwandfrei/vorbildlich."
- Schlecht: "Sein/Ihr Verhalten gegenüber Kollegen war zufriedenstellend." (Vorgesetzte fehlen!)
Schlussformel
- Sehr gut: "Wir bedanken uns für die hervorragende Zusammenarbeit, bedauern sein/ihr Ausscheiden sehr und wünschen für die berufliche und persönliche Zukunft alles Gute und weiterhin viel Erfolg."
- Gut: "Wir danken für die gute Zusammenarbeit und wünschen alles Gute."
- Mittelmäßig: "Wir wünschen alles Gute." (Ohne Dank, ohne Bedauern)
Was tun wenn das Zeugnis schlecht ist?
- Gespräch suchen: Sprich deinen Vorgesetzten an und bitte um Korrektur
- Konkret benennen: Zeige die problematischen Formulierungen und erkläre, warum sie nicht fair sind
- Schriftlich: Wenn das Gespräch nichts bringt, schriftlich Korrektur verlangen
- Beratung: Gewerkschaften bieten kostenlose Zeugnis-Checks an
- Rechtlich: Im Extremfall kannst du die Korrektur per Klage durchsetzen (Arbeitsgericht)
Tipps für ein gutes Zeugnis
- Aufgaben dokumentieren: Führe eine Liste deiner Projekte und Aufgaben – hilft dem Zeugnisschreiber
- Entwurf anbieten: Viele Vorgesetzte freuen sich, wenn du einen Entwurf vorbereitest
- Feedback-Gespräch: Ein positives Abschlussgespräch stimmt den Vorgesetzten wohlwollend
- Timing: Fordere das Zeugnis nicht am stressigsten Tag an – wähle einen ruhigen Moment
Brauche ich als Werkstudent wirklich ein Zeugnis?
Ja! Auch wenn du "nur" Werkstudent warst – ein Arbeitszeugnis ist bei zukünftigen Bewerbungen ein wichtiger Leistungsnachweis. Arbeitgeber schauen sich Werkstudenten-Zeugnisse genau an, besonders beim Berufseinstieg nach dem Studium.
Fazit
Ein Arbeitszeugnis ist dein Recht als Werkstudent – nutze es! Fordere ein qualifiziertes Zeugnis in der letzten Arbeitswoche an, biete einen Entwurf an und prüfe die Formulierungen sorgfältig. Ein gutes Werkstudenten-Zeugnis kann beim Berufseinstieg den entscheidenden Unterschied machen.