Warum sich die Steuererklärung für Werkstudenten lohnt
Viele Werkstudenten machen keine Steuererklärung – und verschenken damit bares Geld. Im Durchschnitt bekommen Studierende, die eine Steuererklärung abgeben, 800-1.200 EUR zurück. Und selbst wenn du keine Steuern gezahlt hast, kannst du Verluste vortragen und sie später anrechnen lassen.
Musst du eine Steuererklärung abgeben?
Als Werkstudent bist du in der Regel nicht verpflichtet, eine Steuererklärung abzugeben – es sei denn:
- Du hast Steuerklasse VI (zweiter Job)
- Du hast Freibeträge auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen
- Du hast Kapitalerträge über 1.000 EUR (Freistellungsauftrag)
Auch ohne Pflicht: Freiwillig abgeben lohnt sich fast immer! Du hast dafür 4 Jahre Zeit (z.B. für 2025 bis Ende 2029).
Was kannst du absetzen?
Werbungskosten (aus dem Werkstudentenjob)
- Fahrtkosten: Entfernungspauschale 0,30 EUR/km einfache Strecke (ab 21. km: 0,38 EUR)
- Arbeitsmittel: Laptop, Bildschirm, Tastatur, Maus – auch anteilig für berufliche Nutzung
- Fachliteratur: Bücher und Fachzeitschriften für die Arbeit
- Homeoffice-Pauschale: 6 EUR/Tag, max. 1.260 EUR/Jahr
- Fortbildung: Kurse und Zertifikate, die dein Arbeitgeber nicht bezahlt
- Kontoführung: Pauschal 16 EUR/Jahr (ohne Nachweis)
Sonderausgaben (Studium)
Im Erststudium (Bachelor ohne vorherige Ausbildung) gelten Studienkosten als Sonderausgaben:
- Maximal 6.000 EUR pro Jahr absetzbar
- Semesterbeiträge, Bücher, Arbeitsmittel, Fahrtkosten zur Uni
- Nachteil: Sonderausgaben können nicht als Verlust vorgetragen werden
Werbungskosten (Zweitstudium)
Im Zweitstudium (Master, oder Bachelor nach abgeschlossener Ausbildung) gelten Studienkosten als Werbungskosten:
- Unbegrenzt absetzbar – keine 6.000 EUR Deckelung
- Verlustvortrag möglich: Wenn du wenig verdienst, werden die Verluste in die Zukunft vorgetragen und mit späterem Einkommen verrechnet
- Das kann tausende Euro Steuerersparnis beim Berufseinstieg bedeuten
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Unterlagen sammeln
- Lohnsteuerbescheinigung: Bekommst du automatisch von deinem Arbeitgeber (bis Ende Februar)
- Belege: Rechnungen für Arbeitsmittel, Fachliteratur, Fahrtkosten
- Semesterbescheinigung: Nachweis über dein Studium
- Kontoauszüge: Falls du Ausgaben nachweisen musst
2. Steuersoftware wählen
Du brauchst keinen Steuerberater – eine Steuersoftware oder App reicht:
- WISO Steuer: Der Klassiker – umfassend, ca. 30 EUR
- Taxfix: App-basiert, besonders einfach für Einsteiger, kostenlos bis zur Abgabe (ca. 40 EUR)
- Elster Online: Das offizielle Portal des Finanzamts – kostenlos, aber weniger intuitiv
- SteuerBot: Chat-basiert, einfach und günstig
3. Daten eingeben
- Persönliche Daten und Bankverbindung
- Angaben aus der Lohnsteuerbescheinigung
- Werbungskosten (Fahrtkosten, Arbeitsmittel etc.)
- Sonderausgaben (Studienkosten, Versicherungen)
4. Abschicken
- Elektronisch über Elster oder die Steuersoftware
- Belege nur auf Nachfrage nachreichen (seit 2017 keine Pflicht mehr zur Einreichung)
- Bearbeitungszeit: 4-12 Wochen
Rechenbeispiel
Werkstudent, 15h/Woche, 16 EUR/Stunde:
- Jahresbrutto: ca. 12.480 EUR
- Grundfreibetrag 2026: ca. 12.084 EUR → kaum Lohnsteuer gezahlt
- Werbungskosten: 1.200 EUR (Fahrtkosten + Homeoffice + Arbeitsmittel)
- Erstattung: ca. 200-400 EUR Lohnsteuer zurück
Masterstudent mit Verlustvortrag:
- Studienkosten: 3.000 EUR (Semesterbeiträge, Bücher, Laptop)
- Fahrtkosten Uni: 1.500 EUR
- Verlustvortrag: 4.500 EUR → werden beim Berufseinstieg mit dem Gehalt verrechnet = ca. 1.000-1.500 EUR Steuerersparnis im ersten Berufsjahr
Häufige Fehler
- Keine Steuererklärung abgeben: Der größte Fehler – du verschenkst Geld
- Pauschalen vergessen: Werbungskostenpauschale (1.230 EUR) wird automatisch angesetzt – aber individuelle Kosten können höher sein
- Belege wegwerfen: Bewahre alle Rechnungen auf (digital reicht)
- Verlustvortrag nicht nutzen: Besonders im Master ist das bares Geld
Fazit
Die Steuererklärung als Werkstudent ist einfacher als du denkst und lohnt sich fast immer. Mit einer Steuersoftware brauchst du 1-2 Stunden – und bekommst im Schnitt mehrere hundert Euro zurück. Im Master ist der Verlustvortrag sogar noch wertvoller. Also: Mach deine Steuererklärung!