Warum Gehaltsverhandlung so wichtig ist
Dein Einstiegsgehalt bestimmt dein Gehaltsniveau für die nächsten Jahre. Jede zukünftige Gehaltserhöhung basiert prozentual auf dem aktuellen Gehalt. Wer 3.000 EUR mehr pro Jahr aushandelt, hat über 10 Jahre 30.000+ EUR mehr verdient – ohne etwas anders zu machen.
Trotzdem verhandeln viele Absolventen nicht – aus Angst oder Unwissen. Als ehemaliger Werkstudent hast du einen entscheidenden Vorteil: Du hast Berufserfahrung und kennst deinen Marktwert.
Vorbereitung
Marktwert recherchieren
- Glassdoor: Gehälter nach Unternehmen und Position
- Kununu: Gehaltsinformationen im DACH-Raum
- StepStone Gehaltsreport: Jährliche Gehaltsübersicht nach Branche und Region
- Absolventa/Squeaker: Speziell für Absolventen und Berufseinsteiger
- Kommilitonen und Alumni: Frag im Netzwerk nach Richtwerten
Deine Verhandlungsbasis
Als Ex-Werkstudent hast du starke Argumente:
- Berufserfahrung: 1-3 Jahre als Werkstudent sind echte Praxiserfahrung
- Einarbeitung entfällt: Du kennst das Unternehmen, die Tools, die Prozesse
- Nachgewiesene Leistung: Dein Vorgesetzter weiß, was du kannst
- Konkrete Ergebnisse: Projekte, Zahlen, Erfolge aus dem Werkstudentenjob
Die Verhandlung
Regel 1: Lass den Arbeitgeber zuerst eine Zahl nennen
Auf die Frage "Was ist Ihre Gehaltsvorstellung?" antworte:
"Ich habe mich über branchenübliche Gehälter informiert und würde gerne zunächst von Ihnen hören, welches Gehalt Sie für die Position vorgesehen haben."
Regel 2: Nenne eine Spanne, kein Fixgehalt
"Basierend auf meiner Recherche und meiner Werkstudenten-Erfahrung bei Ihnen halte ich ein Gehalt im Bereich von 44.000 bis 48.000 EUR für angemessen."
Tipp: Setze die untere Grenze der Spanne auf dein tatsächliches Wunschgehalt.
Regel 3: Verhandle das Gesamtpaket
Wenn das Gehaltsbudget ausgereizt ist, verhandle andere Benefits:
- Homeoffice-Tage: 2-3 Tage/Woche
- Weiterbildungsbudget: 1.000-3.000 EUR/Jahr für Kurse und Konferenzen
- Zusätzliche Urlaubstage: 28 statt 26 oder 30 statt 28
- Signing Bonus: Einmalzahlung von 1.000-5.000 EUR zum Start
- Leistungsbonus: 5-15% zusätzlich bei Zielerreichung
- VL: 6-40 EUR/Monat vom Arbeitgeber
Regel 4: Nie sofort zusagen
Auch wenn das Angebot gut ist: "Vielen Dank für das Angebot. Darf ich eine Nacht darüber schlafen und mich morgen melden?" Das ist absolut normal und professionell.
Richtwerte Einstiegsgehälter 2026 (Bachelor)
- IT/Software: 42.000-52.000 EUR
- Ingenieurwesen: 45.000-55.000 EUR
- Unternehmensberatung: 42.000-52.000 EUR
- Banken/Versicherung: 40.000-50.000 EUR
- BWL allgemein: 38.000-46.000 EUR
- Marketing/Kommunikation: 34.000-42.000 EUR
- Öffentlicher Dienst: 38.000-44.000 EUR (TVöD)
Master-Absolventen verdienen in der Regel 3.000-8.000 EUR/Jahr mehr.
Häufige Fehler
- Zu bescheiden: "Ich bin schon froh wenn ich überhaupt genommen werde" – damit verschenkst du Geld
- Werkstudenten-Gehalt als Basis: Vollzeitgehälter sind eine völlig andere Kategorie
- Keine Recherche: Wer seinen Marktwert nicht kennt, verhandelt blind
- Zu aggressiv: "Unter 55.000 fange ich gar nicht erst an" – unflexibel und abschreckend
- Nur aufs Gehalt schauen: Ein Gesamtpaket mit guten Benefits kann mehr wert sein als 2.000 EUR mehr brutto
Fazit
Gehaltsverhandlung ist eine Fähigkeit, die du lernst. Recherchiere deinen Marktwert, bereite Argumente vor und verhandle das Gesamtpaket. Dein Werkstudenten-Hintergrund ist dabei dein stärkster Trumpf: Du hast bewiesen, dass du liefern kannst. Nutze das – selbstbewusst, aber nicht überheblich.